Was nach der Feier in Schlafzimmern wirklich abläuft

ber viele Jahrhunderte hinweg bis weit in das 20. Jahrhundert hinein war die Hochzeitsnacht häufig der Moment. Jener Augenblick, an dem nicht nur das frischgetraute Paar zum ersten Mal miteinander intim wurde, sondern meistens auch das allererste Mal, dass die beiden überhaupt Sex hatten. Beides ist heute zwar hierzulande und generell in westlichen Ländern bei den allermeisten Paaren längst Schnee von gestern. Doch bedeutet das, dass es nach der Feier im Schlafzimmer routiniert „zur Sache“ geht? Und wie sollte man überhaupt das Thema Hochzeitssex angehen? Das alles zeigt euch der folgende Artikel.

Ein Blick auf die Insel

Man sollte glauben, dass es im Musterland der Statistik auch verlässliche Informationen darüber gäbe, wie Deutsche es mit der Hochzeitsnacht halten – tut es aber nicht. Die einzige seriöse Aussage dazu (abseits von nicht-repräsentativen Umfragen für Boulevardmagazine) stammt von den Briten. Und zwar in Form einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes YouGov aus dem Jahr 2016.

Dabei kam, auch für euch wahrscheinlich ziemlich überraschend, heraus, dass es bei britischen Hochzeitspaaren umso unwahrscheinlicher ist, dass nach Trauungszeremonie und Feier noch die Sexkorken knallen, je jünger das Ehepaar ist. Anders ausgedrückt: Von den 18- bis 39-jährigen britischen Turteltauben setzen nur 58 Prozent die Romantik des Tages auch im Schlafzimmer fort, 32 Prozent belassen es beim gemeinsamen einschlafen – wobei imposante acht Prozent sich bei der Umfrage nicht mal mehr erinnern konnten, ob es überhaupt zu Sex kam…

Umgekehrt kann man hingegen beinahe schon sagen „je oller, je doller“, denn bei den Briten, die erst jenseits der 60 das Ehegelübde ablegen, haben imposante 77 Prozent Sex in der Hochzeitsnacht.

Eins zu Eins lässt sich das zwar nicht auf Deutschland umlegen. Aber es deckt sich auffällig mit anderen Zahlen, etwa denen zur generellen Sex-Häufigkeit in der Bevölkerung.

Bedeutet, auch hierzulande ist es längst keine Selbstverständlichkeit mehr, dass es zum Hochzeitsnacht-Sex kommt.

null

Warum wir keine Lust haben

Eine Hochzeit ist, lassen wir mal alles andere beiseite, mindestens ein Tag, der randvoller Romantik steckt. Und angesichts dieser Tatsache kann man sich durchaus die Frage stellen, warum so viele Paare es heutzutage vorziehen, einfach einzuschlafen, statt beizuschlafen.

Doch Tatsache ist, es gibt wirklich gute Gründe dafür, auch wenn die Romantik eigentlich beste Vorarbeit geleistet haben sollte:

  1. Selbst eine tipptopp durchgeplante Hochzeit ist, auch wenn sie wie am Schnürchen läuft, immer noch ein ziemlich stressiger Tag voller Spannung und Nervosität. Beides keine guten Grundlagen für eine überkochende Libido.
  2. Je nachdem, wie die Planung aussieht, ist das Brautpaar von frühmorgens bis weit nach Mitternacht auf den Beinen – falls man vor Nervosität überhaupt gut schlafen konnte. Und Party machen, das kennt ihr sicher, fordert meistens einen körperlichen Tribut, erst recht, wenn man zuvor beinahe 24 Stunden oder sogar noch länger wach ist.
  3. Nicht immer, aber oft genug, ist die Feier auch für das Brautpaar, nicht nur seine Gäste, feuchtfröhlich. Insbesondere bei Männern kann sich zu hoher Alkoholkonsum stark negativ auf die Erektionsfähigkeit auswirken.
  4. Dadurch, dass die meisten Paare zuvor schon mehrfach, teils über viele Jahre hinweg, miteinander intim waren, gibt es praktisch keinen „Probier-Drang“ mehr, jetzt wo man auch höchstoffiziell „darf“ – verheirateter Sex fühlt sich schließlich nicht anders als unverheirateter Sex an.
  5. Einige Paare reisen auch bereits am nächsten Tag in die Flitterwochen ab. Noch ein Stress-Punkt auf der Liste.

Und das aller-allerwichtigste dabei: Das alles ist auch vollkommen okay so!

Es gibt nichts, was euch dazu zwingen sollte,
gleich in der Hochzeitsnacht Sex zu haben

Es stimmt zwar, dass der erste Sex als Ehepaar etwas Besonderes sein sollte – zumindest sehen es die allermeisten so. Aber genau das sollte auch Grund genug dafür sein, es nicht mit Nachdruck zu probieren.

Wenn ihr den ganzen Tag gefeiert habt, mit aberdutzenden Gästen sprechen musstet, eine üppige Ankleide- und Schminkprozedur hinter euch habt, dazu noch den Bauch voller Köstlichkeiten, Sekt und anderen Alkoholika, ist die Chance riesig, dass selbst wenn der Sex funktioniert, er bestenfalls eine Standardnummer wird.

Wollt ihr euch wirklich auf diese Weise an euer erstes Mal als Ehepaar erinnern? Wahrscheinlich nein. Und deshalb ist es auch völlig in Ordnung, wenn ihr euch erst mal ausschlaft und erholt – und wenn die Hochzeitsnacht erst drei Tage später in den Flitterwochen passiert, dafür aber wenigstens qualitativ wirklich eines ersten Mals würdig ist, ist das die ungleich bessere Antwort.

null

So plant ihr auch den Sex ein

Mal angenommen, es ist morgens halb drei nach eurer Hochzeitsfeier. Ihr seid gerade im Hotelzimmer oder zuhause angekommen und schält euch aus Kleid und Anzug. Wenn euch jetzt noch die Lust überkommt, spricht natürlich nichts dagegen, Sex zu haben – viel Spaß!

Allerdings sollte ihr – und das ist der Kern – diesen Sex nicht von vornherein als Pflichttermin in eure Planung mit aufnehmen. Seht ihn als „nice, aber optional“ an. Umgekehrt könnt ihr, wenn ihr etwas planen wollt, diesen Sex auf die Tage danach festlegen. Und das geht so:

  1. Schlaft euch nach der Feier richtig aus. Das geht wegen des Abflugs in den Urlaub nicht? Dann tut es im Hotel. Und bedenkt bitte, dass das Geheimnis für guten Schlaf mehr als nur ausreichend Platz für beide Schläfer beinhaltet. Je ausgeruhter ihr seid, desto mehr haben euer Körper und Geist Lust, sich wirklich auf Sex einzulassen.
  2. Seht die Sache nicht als Normal-Sex an, selbst wenn ihr zuvor schon tausende schöne Stunden miteinander verbracht habt.
  3. Belastet euch an dem Tag nicht mit schweren Speisen oder Alkohol.
  4. Blast kräftig in das Feuerchen der Lust. Bedeutet, werdet nicht einfach morgens ausgeruht wach und habt Sex, sondern lasst euch Stunden, vielleicht sogar den ganzen Tag, Zeit, um euch gegenseitig zu reizen, anzuschärfen, das Verlangen wirklich hochkochen zu lassen.
  5. Gönnt euch ein wirklich ausgiebiges Vorspiel – selbst wenn ihr beide nach Beachtung des vorherigen Punktes schon ausnehmend scharf seid. Mehr geht immer und es wird euch beiden vielleicht auch eine völlig neue Sex-Seite zeigen, die ihr bislang an euch noch nicht kanntet.

Und ganz wichtig: Habt so Sex, wie es euch beiden gefällt. Nicht wie ihr vielleicht glaubt, dass man als Ehepaar nun Sex haben müsste. Was euch zuvor gefiel und guttat, sollte auch weiterhin auf der Agenda stehen. Wenn ihr als Eheleute nun im Bett überhaupt irgendetwas ändern wollt, dann vielleicht nur, dass ihr euch künftig noch mehr umeinander bemüht, noch mehr im besten Sinn miteinander verschmelzen möchtet.

Beachtet ihr die vorherigen Tipps, wird euer erstes Mal als Ehepaar – ganz gleich wann es denn nun stattfindet – nicht nur bombastisch, sondern auch ein richtig guter Start in den sexuellen Part eures Ehelebens.

Bildquellen:

1) fotolia.com © detailblick-foto
2) unsplash.com © Sweet Ice Cream Photography
3) unsplash.com © Caroline Hernandez

 

Menü